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Pistachio Martini – Emulsion shaken, damit sie nicht bricht

14. März 2026 · Jörg Kalinke · 6 Min. Lesezeit

Heute mache ich den Pistachio Martini, und zwar mit einer klaren Technik, die dafür sorgt, dass der Drink im Glas stabil bleibt und nicht zerbricht oder flockig wird. Der Titel klingt dramatischer, als es ist: Hier geht es nicht um explodierende Gläser, sondern um die Emulsion. Also um die Creme, die auseinanderfällt, wenn du die Reihenfolge im Shaker falsch machst. Der Pistachio Martini ist ein Dessertdrink mit Pistazie, Vanille, Mandel und einem Hauch Orange. Technisch interessant und sensorisch eindeutig nach Pistazie schmeckend.

Ein Dessertcocktail aus Boston

Der Pistachio Martini gilt als Dessertcocktail aus Boston und ist dort vor allem im North End bekannt. Die genaue Herkunft ist nicht sauber dokumentiert, denn mehrere Bars behaupten, ihn erfunden zu haben. Das ist typisch für Drinks, die sich schnell in einer Barszene verbreiten, in der sich die Bartender schon bei der Kreation untereinander austauschen.

Im Glas zeigt er sich leicht grünlich bis elfenbeinfarben, oben drauf sitzt Pistazieneis oder normales Eis. Mit einem trockenen Martini hat er wenig zu tun, er ist ein Dessert im Glas. Wer auf YouTube nach dem Pistachio Martini sucht, erwartet genau dieses Bild: cremig, süß, nach Pistazie. Genau dort setze ich an.

Die Zutaten und ihre Aufgaben

Im Rezept von Simon Difford besteht der Pistachio Martini aus 50 ml Vanille-Wodka von Absolut, rund 10 ml Amaretto, 2 bis 3 ml Blue Curaçao und 20 ml Pistazien-Cremelikör. Als Garnitur kommt eine Kugel Pistazieneis oben drauf.

Der Vanille-Wodka legt die Basis: Vanille, relativ neutral, aber klar im Geschmack. Ich verwende hier unseren selbstgemachten Vanille-Wodka, das kannst du ebenfalls nachmachen. Der Amaretto bringt mandelige Aromen, leichte Süße und eine dezente Nussnote, die die Pistazie insgesamt runder macht. Der Blue Curaçao ist nur in sehr geringer Menge drin. Er gibt eine ganz leichte Orangennote, die die Süße auflockert, ohne dominant zu wirken, und er bringt mehr grüne Strahlkraft in die Farbe.

Das Herzstück ist der Pistazien-Cremelikör: cremig, nussig, mit klarer Pistaziennote, aber nicht zu intensiv, wenn du die Dosis im Griff hast. Die kleine Kugel Pistazieneis macht den Drink optisch und geschmacklich zu einem Dessertglas. Damit ist er kein Aperitif, sondern ein After-Dinner-Drink.

Warum hier eine Emulsion entsteht

Der Trick bei diesem Drink ist die Reihenfolge im Shaker, damit die Emulsion nicht auseinanderbröselt. Du fragst dich vielleicht, warum Emulsion, wenn gar keine Sahne drin ist. Der Likör basiert auf Pistazie, und die Pistazie bezieht ihr Aroma aus ihrer öligen Substanz. Deshalb haben wir es hier mit einer Emulsion zu tun. Das siehst du schon beim Abmessen: Im Jigger zieht der Pistazienlikör Schlieren, das ist eindeutig etwas Öliges.

Der Gegner dieser Emulsion ist Wasser. Schmelzwasser ist der entscheidende Faktor, der später den Unterschied macht, ob der Drink in der Cocktailschale stabil bleibt oder auseinanderbricht. Wenn du klassisch arbeitest und das Eis direkt zu den Zutaten in den Shaker gibst, hast du zu viel Schmelzwasser, und die Emulsion zerfällt und wird flockig.

So mixe ich ihn

Ich fülle den einen Shakerbecher mit Eis, die Zutaten kommen in den anderen. Unten ist also das Eis, oben die Zutaten. In meiner Version im Video nehme ich ** 6 cl Vanille-Wodka, 1 cl Amaretto und 2,5 cl Pistazienlikör. Beim Blue Curaçao arbeitest du am besten mit einer Pipette statt mit dem Jigger: Gib ein wenig Curaçao in den Jigger, zieh davon etwas mit der Pipette auf und tropfe ihn dazu. Ich starte mit 3 bis 5 Tropfen und rühre mit einem Löffel kurz um. Der Drink ist dann blass grün, mir fehlt noch etwas Blau, also lande ich bei 8 Tropfen Blue Curaçao. **Den Rest kannst du zurück in die Flasche geben.

Jetzt kommt ein Schritt, der sehr wichtig ist: Das Schmelzwasser, das sich im Eisbecher gesammelt hat, schüttest du aus. Das ist nicht viel, aber jeder Tropfen Wasser zählt. Danach setze ich den Shaker zusammen, drehe ihn um und shake kräftig, so lange, bis der Shaker kalt ist.

Damit bin ich mit dem Shaken noch nicht fertig, und jetzt musst du fix sein. Alles geht in den unteren Shakerbecher. Um die Emulsion möglichst lange aufrechtzuerhalten, halte ich mit dem Sieb des Strainers das Eis zurück und mache einen Dry Shake: Das Eis ist raus, und ich schüttle noch einmal kräftig ohne Eis. Das Gästeglas habe ich vorher mit Crushed Ice vorgekühlt. Dann seihe ich den Drink durch den Strainer ab, und heraus kommt eine richtig schöne, feine Creme.

Garnitur mit Pistazieneis und Krokant

Zum Verzieren schneide ich zwei Pistazien grob klein. In die Mitte des Drinks kommt eine kleine Kugel Pistazieneis, dazu etwas Pistazienkrokant. Wichtig ist, dass der Krokant sichtbar ist, damit niemand sich verschluckt, wenn er an dem Drink nippt.

Die Farbe ist leicht grünlich und elfenbeinfarben, je nach Pistazien-Cremelikör etwas grüner oder etwas beiger. Die Textur ist cremig, fast wie ein Eisshake, dank des Pistazienlikörs, und durch den Dry Shake bleibt sie stabil im Glas. Im Geschmack kommt zuerst Vanille, leicht süß, dann Mandel vom Amaretto, und schon hier eine leichte Schlonzigkeit. Danach folgt eine klare Pistaziennote, nicht zu intensiv, aber klar erkennbar. Eine leichte Orangennote ist ebenfalls mit drin.

Meine Technikbewertung

Im Kreativskill ist dieser Drink eindeutig eine fünf von fünf. Die Idee mit der Nussigkeit und der Mut, eine Emulsion stabil zu machen, passen perfekt. Wer auch immer ihn erfunden hat, hat es gut gemacht.

Im Mixskill bekommt er eine zwei von vier. Du musst den Dry Shake beherrschen und das Schmelzwasser abkippen. Wenn du das nicht beachtest, flockt der Drink im Glas aus, und das sieht dann einfach unappetitlich aus.

Beim Barlevel gibt es eine drei von vier. Amaretto und Blue Curaçao findest du in jedem gut sortierten Supermarkt. Nach dem Pistazien-Cremelikör musste selbst ich suchen, fündig geworden bin ich im Onlinehandel und im Fachhandel.

Im Geschmack ist der Drink richtig kräftig, vanillig, süßlich und schlonzig, dafür gibt es von mir die klare Bestnote. Auf die Menge hochgerechnet ist er deutlich kräftiger als ein Long Island Iced Tea. Trotz seines Dessertcharakters ist er ein Drink für Leute, die kräftige, spritlastige Drinks lieben. Wenn du dazu Süße und eine Cremigkeit magst, die nicht zu dominant ist, dann ist genau dieser Drink deiner. Für Pistazienfans, für Leute mit Lust auf ein boozy Dessert oder alle, die einen Eisdrink im Glas testen wollen, ist der Pistachio Martini eine spannende Option.

Fazit

Der Pistachio Martini ist technisch interessant, weil er die Reihenfolge im Shaker nutzt, um die Emulsion zu stabilisieren. Geschmacklich ist er ein klares Dessert mit Pistazie, Vanille, Mandel und einer ordentlichen Portion Süße aus dem Likör, und die Technik im Hintergrund sorgt dafür, dass die Emulsion nicht zerbricht. Wenn du Pistazien liebst, zufällig ein paar Kugeln Pistaziengelato im Froster hast und neugierig auf diesen Drink bist, brauchst du nur noch einen Pistazien-Cremelikör, oder du machst ihn selbst. Dann lohnt sich dieser Test. Fang am besten mit einem kleinen Glas an, denn der Drink macht zum einen satt und zum anderen relativ schnell betrunken.

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