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Vergessen & Genial Das Comeback des Brandy Alexander! 🍫🍸

18. März 2026 · Jörg Kalinke · 5 Min. Lesezeit

Der Brandy Alexander ist zurück, und zwar offiziell: Er ist wieder in die Top 100 Cocktails von Difford's Guide eingestiegen und steht aktuell auf Platz 93. Cremig, schokoladig, mit Brandy als Basis, ein Klassiker, den kaum noch jemand bestellt hat. Genau deswegen mixe ich ihn jetzt, erkläre, worauf es beim Shaken ankommt, warum am Ende eine Orangenzeste darüberkommt und woher dieses flüssige Dessert stammt.

Die Zutaten

Der Shaker ist vorgekühlt, bevor die erste Zutat hineingeht. Abgemessen wird alles mit dem Jigger, damit das Verhältnis zwischen Spirituose, Likör und Sahne stimmt.

Shaken und Abseihen

Dann kommt Eis in den Shaker, Deckel drauf und kräftig shaken. Weil Sahne drin ist, kannst du das Ganze zusätzlich noch einmal ohne Eis shaken, als Dry Shake, damit die Emulsion stabil bleibt.

Das Gästeglas habe ich vorher gekühlt. Ich leere es und trockne es direkt aus. Es ist jetzt kalt, aber innen soll so wenig Wasser wie möglich stehen. Aus demselben Grund wird doppelt abgeseiht. Wenn wir schon Wasser vermeiden, dann auch das Wasser aus kleinen Eissplittern. Bei mir ist trotzdem ein bisschen Eis im Glas gelandet, genau das wollten wir vermeiden.

Muskat und Orangenöl

Auf den Drink kommt frisch geriebene Muskatnuss, und zwar ruhig kräftig. Danach folgt ein kleiner Trick, der den Drink frischer wirken lässt: Ich ziehe eine Orangenzeste, biege und drehe sie über dem Glas und ziehe sie dabei auseinander. So landet das Orangenöl direkt auf dem Drink, oben am Rand und auch weiter unten. Damit duftet der Brandy Alexander nicht nur nach Muskat, sondern auch nach Orange.

Vom Alexander zum Brandy Alexander

Der Brandy Alexander ist die Brandy-Version des ursprünglichen Alexander. Heute sieht er aus wie ein reiner Dessertcocktail, seine Geschichte reicht aber zurück in die frühen 1900er Jahre. Am Anfang stand der klassische Alexander mit Gin, Crème de Cacao und Sahne. In den 1920er Jahren taucht die Variante mit Brandy anstelle von Gin auf, verbunden mit dem Namen Harry McElhone, damals Bartender im Ciro's in London. Die Brandy-Version hat sich schnell durchgesetzt und den Gin-Alexander fast verdrängt.

Eine gedruckte Rezeptur findet sich 1923 in McElhones Buch Harry of Ciro's ABC of Mixing Cocktails: zu gleichen Teilen Crème de Cacao, Brandy und frische Sahne, geschüttelt und in der Coupette serviert. Später hat Harry Craddock im Savoy Cocktail Book den Gin-Klassiker als Nummer eins und den Brandy Alexander als Nummer zwei nebeneinandergestellt, dazu Verwandte wie die Alexander's Sister. Damit war klar, dass der Brandy Alexander kein zufälliger Riff ist, sondern ein eigener, etablierter Klassiker.

In den Jahrzehnten danach ist er als After-Dinner-Drink immer wieder aufgetaucht, in Bars, in Filmen und in Serien, bekannt als cremiger, schokoladiger Drink, der fast wie ein alkoholischer Milchshake wirkt. Diese Kombination aus Geschichte, Hotel-Eleganz und flüssigem Dessert macht ihn heute wieder interessant, jetzt sogar offiziell in den Top 100.

Wie er schmeckt

Vorne steht der Brandy, und du merkst tatsächlich die Kraft des Cognacs und nicht nur den Likör im Hintergrund. Dann kommen dunkle Schokolade und Sahne, fast wie ein sehr feiner, leicht alkoholischer Schokopudding mit Zartbittergeschmack, aber mit genug Struktur, dass du den nächsten Schluck auch noch nehmen willst. Die Textur ist schön dicht und cremig, ohne pappig zu werden. Die Süße ist deutlich da, aber der Brandy und die Orangenöle ziehen das Ganze ein Stück nach oben.

Meine Bewertung

Beim Kreativ-Skill gibt es diesmal nur eine Drei. Das ist keine Rocket Science, das ist klassisch 1920er Jahre, ohne großes Nachdenken bei der Rezeptur. Der Kakaolikör unterstützt die Kakaonoten, die sowieso schon in der Basisspirituose stecken, und das Fett der Sahne drückt die Aromen weiter nach oben. Der einzige moderne Twist ist die Orangenzeste. Muskat ist ebenfalls klassisch. Wer keinen Muskat mag, nimmt an der Stelle einfach Kakao. Für mich ist das kein Drink für jeden Abend, sondern eindeutig ein Nachtisch, ein Dessertcocktail, ein Nightcap.

Beim Mix-Skill vergebe ich zwei von vier. Du musst genau aufpassen, dass so wenig kleine Eisstückchen wie möglich im Drink landen. Double Strain ist Pflicht, und beim Einfüllen musst du zügig sein, sonst bricht die Emulsion, wie beim Espresso Martini.

Beim Bar-Level gibt es ebenfalls zwei von vier. Crème de Cacao bekommst du heute nicht überall. Du findest ihn im Fachhandel oder online, aber nicht im Supermarkt.

Für mich persönlich ist der Brandy Alexander einer meiner All-Time-Favorites. Gerade zu Beginn meiner Barkarriere war das genau mein Drink. Heute trinke ich ihn ab und zu, vor allem in der kalten Jahreszeit. Als Dessertcocktail passt er aber jederzeit, deshalb vergebe ich hier zehn von zehn. Dessert im Glas, Cognac mit Rückgrat, genau das liefert der Brandy Alexander.

Espresso Martini oder Brandy Alexander

Bleibt die Frage, auf welcher Seite du stehst: Team Espresso Martini, also Kaffee-Dessert im Glas ohne Sahne und Schnickschnack, oder Team Brandy Alexander, das cremige Cognac-Dessert. Für mich ist der Brandy Alexander ein zeitloser Klassiker, cremig, schlonzig, schön, und es wert, an der Bar wieder bestellt zu werden.

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