Rum hat ein Imageproblem und ein Erklärproblem zugleich: tausend Stile, kaum Regeln, viel Marketing. Zum World Rum Day 2026 am 11. Juli nehme ich mir deshalb vier Rum-Bücher vor, genauer drei sehr unterschiedliche Titel, von denen einer auf Englisch und auf Deutsch erschienen ist. Eines will Rum ordnen und dir das Verkosten in Drinks beibringen, eines nimmt dich an die Hand und holt dich ins Thema, und eines erzählt, woher das alles kommt.
Solche Buchrezensionen kommen auf DrinkLink ab jetzt regelmäßig. Bücher gelten gerade als aus der Mode; Tausende landen im Müll, und stattdessen wird lieber mit KI herumgespielt, ohne zu wissen, was man da tut. Mit den Büchern verliert die Welt unfassbar viel Wissen, und das finde ich kurzsichtig. Deshalb arbeite ich nach und nach alle meine Bücher rund um Drinks und Genuss auf. Die vier hier sind bei Weitem nicht alle Rum-Bücher in meinem Regal.
| Buch | Autor | Jahr | Schwerpunkt | Für wen |
| Rum: The Manual | Dave Broom | 2016 | Rum nach Geschmack, jeder Rum in fünf Genussformen | Verkoster und Heimbar |
| Rum: A Tasting Course / Workshop Rum | Ian Burrell | 2024 | Verkostungskurs mit über 100 Rums, Flavor Maps und Drinkteil | Einsteiger und Fortgeschrittene |
| Spirit of the Cane | Jared Brown, Anistatia Miller | 2017 | Geschichte des kubanischen Rums | Geschichts-Fans |
Rum: The Manual – Dave Broom
Dave Broom ist einer der angesehensten Spirituosenautoren der Welt und ordnet Rum in diesem Buch nicht nach Marke, sondern nach Geschmack. Er erklärt, wie aus Melasse, Zuckerrohrsaft oder Zuckerrohrsirup völlig verschiedene Stile entstehen. Der praktische Kniff: Er testet, welcher Rum sich für welchen Longdrink eignet. Das ist Wissen, das du sofort in deiner Heimbar nutzen kannst.
Meine Meinung: Das Buch ist von 2016, und aus dieser Zeit stammt auch die Hintergrundgeschichte. Bei Geschichte und Forschung ist es also nicht mehr auf dem neuesten Stand. Den Ansatz finde ich trotzdem richtig stark. Broom stellt jede Abfüllung nicht pur vor, sondern immer zusammen mit einer Genussform: mit Kokoswasser, mit Ginger Beer, als Daiquiri, mit Clementinensaft oder mit Cola, also in den häufigsten Arten, wie Rum weltweit getrunken wird, statt nur im Purgenuss. Diese Idee und die Bewertung entlang der Darreichungsform finde ich großartig und in dieser Form einzigartig im ganzen Bücherregal.
Die vorgestellten Rums sind die typischen, weltweit gut verfügbaren. Für alle, die schon tiefer im Thema stecken, keine große Überraschung, aber eine saubere Übersicht, unterteilt nach den klassischen Stilen: weiß beziehungsweise hell, dunkel, Navy und sehr dunkel.
Unterm Strich: Dieses Buch stelle ich mir auf jeden Fall wieder ins Regal, und zwar wegen seines Alleinstellungsmerkmals mit den Darreichungsformen.
Rum: A Tasting Course / Workshop Rum – Ian Burrell
Ian Burrells Buch gibt es auf Englisch als „Rum: A Tasting Course“ und auf Deutsch unter dem ganz anderen Titel „Workshop Rum“, inhaltlich eins zu eins übersetzt, nur von außen anders gestaltet. Es ist ein zugänglicher Verkostungskurs mit aktuellem Stand, denn das Buch stammt von 2024. Über 100 Rums werden vorgestellt, mit Flavor Maps und einem Drinkteil zum Loslegen.
Ian Burrell, der sich selbst Global Rum Ambassador nennt, ist aus der Rumwelt nicht wegzudenken, und er macht den Einstieg mit diesem Buch extrem leicht. Vom Ursprung über die Stile bis zur eigenen Verkostung wird alles klar und unterhaltsam erklärt: Was sind die verschiedenen Rums, wie verkostet man sie, wo kommen sie her, und wie werden sie hergestellt? Burrell geht die wichtigsten Rum-Inseln einzeln durch und stellt dort die jeweiligen Hauptrums vor, mit kurzer Beschreibung der Herstellung und des Geschmacks. Auch die großen Marken sind dabei, ebenso jene, die nicht selbst brennen, sondern im Auftrag herstellen lassen, dazu Navy-Rum und unabhängige Abfüller. Es ist ein Deep Dive, ohne zu tief in die Rumgeschichte abzutauchen.
Der Drinkteil rundet das ab: illustrierte Rezepte, grafisch schön dargestellt, plus Empfehlung, welche Flasche in welchen Drink passt und worauf es bei der Wahl des Rums ankommt. Dabei sind Daiquiri, Dark ’n’ Stormy, Hurricane, Jungle Bird, Mai Tai, Mary Pickford, Mojito, Painkiller, Piña Colada, Rum Punch und Ti’ Punch.
Unterm Strich: Beide Ausgaben stelle ich mir jederzeit wieder ins Regal. Für mich ist das Buch ein Must-have für jeden, der ins Hobby Rum einsteigt, und auch für den fortgeschrittenen Rumgenießer, der tiefer einsteigen möchte. Wer lieber auf Deutsch liest, greift zu „Workshop Rum“.
Spirit of the Cane – Jared Brown und Anistatia Miller
Jared Brown und Anistatia Miller gehören zu den renommiertesten Getränkehistorikern der Welt. In „Spirit of the Cane“ gehen sie dem kubanischen Rum auf den Grund: seinen Ursprüngen, seinen Einflüssen und seiner besonderen Stellung. Das Buch korrigiert viele Legenden und zeigt, warum gerade Kuba einen so leichten, eleganten Rumstil entwickelte, der die Barwelt verändert hat.
Ein Schwerpunkt liegt auf der Zeit, in der viele Besucher Kubas aus den USA kamen, vor allem während der Prohibition. Das trieb das Rumgeschäft massiv nach vorn, bis es nach der Revolution verstaatlicht wurde, so wie es bis heute besteht.
Meine Meinung: Dieses Buch war für mich einer der echten Augenöffner meiner Laufbahn, gerade als ich anfing, mich noch intensiver mit Rum zu beschäftigen. Es stammt von 2017 und ist nach wie vor gut recherchiert und am Puls der Zeit. Hier wird die Geschichte zum ersten Mal richtig tief betrachtet, mit klarem Fokus auf Kuba. Mit Anistatia stehe ich bis heute in Kontakt und tausche mich immer wieder über dieses Buch und über Rum aus. Für mich ist es ein Buch, in dem ich immer wieder Passagen lese und mir Notizen mache, und eine starke Quelle bei der Recherche für meine Videos, vor allem zur Geschichte des Rums auf Kuba.
Unterm Strich: Auch dieses Buch stelle ich mir jederzeit wieder ins Regal. Mein einziger Wunsch ist eine deutsche Übersetzung.
Fazit: drei Bücher, drei Aufgaben
- Rum verstehen und in Drinks verkosten: Dave Brooms „Rum: The Manual“ ist ein Arbeitsbuch.
- Einsteigen: Ian Burrells „Rum: A Tasting Course“ oder die deutsche Ausgabe „Workshop Rum“.
- Wissen, woher alles kommt: „Spirit of the Cane“ von Jared Brown und Anistatia Miller.
Das Schöne: Die drei stehen sich nicht im Weg, sondern ergänzen sich; zusammen decken sie Verkostung, Einstieg und Geschichte ab. Für mich gehören alle drei ins Regal, jedes aus einem anderen Grund. Wer komplett neu beim Rum ist, beginnt mit Burrell. Broom ist für mich das Nachschlagewerk, wenn es um die Verwendung in Drinks geht, und „Spirit of the Cane“ ziehe ich hervor, wenn ich tiefer in die Geschichte eintauchen will, vor allem bei kubanischen Produkten.
Bezugsquellen
- Rum: The Manual, Dave Broom (Amazon, Affiliate-Link): https://amzn.to/4476tQj
- Rum: A Tasting Course, Ian Burrell (Amazon, Affiliate-Link): https://amzn.to/4glxR4h
- Workshop Rum, deutsche Ausgabe, Ian Burrell (Amazon, Affiliate-Link): https://amzn.to/4glxR4h
- Spirit of the Cane, Jared Brown und Anistatia Miller: https://shop.lightningsource.com/b/085?params=ts7P1gO6I46yyhFfUiocrUDLIZZKvfMdOStypdxF8Ll