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Lav’a Belle: Lavendel-Likör aus Stuttgart

26. Oktober 2026 · Jörg Kalinke · 18 Min. Lesezeit

Einleitung: Provence aus Stuttgart

Hinweis in eigener Sache: Die Flasche habe ich von Lavabelle kostenlos erhalten, ohne jede Verpflichtung und ohne Bezahlung. Es gab keine Vorgaben zu Inhalt oder Wertung; was hier steht, ist meine eigene Einschätzung.

Auf dem Etikett von Lav'a Belle sind ein Lavendelfeld und ein Einhorn zu sehen, die Bilder der Marke zeigen die Côte d'Azur und Lavendelfelder der Provence [2][26]. Der Firmensitz liegt in Stuttgart, hergestellt wird das Getränk nach Angabe der Marke in Deutschland [1][2]. Auf der Zutatenliste stehen ein Getreidedestillat, Aromaextrakte und zwei Lebensmittelfarbstoffe [2]. Zwischen dem Bild, das die Marke zeichnet, und dem, was das Etikett nennt, liegt der Stoff für diesen Beitrag.

Dieser Beitrag gehört zur DrinkLink-Reihe „Flaschen auf DrinkLink“, in der einzelne Produkte für die Bar vorgestellt werden. Er folgt dem Aufbau des Videos und ergänzt Abbildungen, Tabellen, einen Belegstand und einen Quellenapparat. Wo das Video vereinfacht, geht der Text in die Tiefe, besonders bei der Zutatenliste, bei den Farbstoffen und bei der rechtlichen Einordnung.

Methode und Quellenlage

Die Angaben zum Produkt stammen vom Hersteller selbst: aus dem Impressum, den Produktseiten auf lavabelle.de mit Zutatenlisten und Nährwerten, der Rezeptseite und der Presseinformation vom Februar 2026 [1][2][3][13][14][17][19][25]. Die Produktseiten wurden am 23. Oktober 2026 abgerufen und als Bildschirmfotos gesichert. Für die Gründungsgeschichte stützt sich der Text auf Berichte der Fachportale about-drinks und yumda sowie auf ein Porträt im Magazin Business Punk [4][5][6][7]. Ein Interview mit Veronika Ebert auf about-drinks vom Mai 2026 ist als Werbebeitrag gekennzeichnet; es dient hier nur als Beleg für Angaben, die ausdrücklich als Firmenangaben ausgewiesen sind [8].

Für die rechtliche Einordnung ist die Spirituosenverordnung der EU, Verordnung (EU) 2019/787, maßgeblich [11]; zu den Farbstoffen und Aromen kommen die Verordnungen (EG) 1333/2008 und 1334/2008 hinzu [12][27]. Auszeichnungen stammen von den Seiten der Veranstalter und aus der Presse [22][23][24]. Die Seiten von Falstaff ließen sich für diesen Beitrag nicht automatisch abrufen; die Angaben dazu beruhen auf der Recherche vom 23. Oktober 2026 [22]. Preise sind Momentaufnahmen aus dem Onlineshop der Marke.

Im fertigen Video kommt keine Verkostung vor; dieser Teil ist im Schnitt entfallen. Dieser Beitrag enthält deshalb keine eigenen Verkostungsnotizen. Wo von Geschmack die Rede ist, gibt er die Beschreibung des Herstellers wieder und sagt das jeweils dazu.

Wer dahintersteht

Hinter Lav'a Belle steht die Lavabelle GmbH mit Sitz in Stuttgart, eingetragen beim Amtsgericht Stuttgart; Geschäftsführer sind Dr. Veronika Ebert und Constantin Ebert [1]. Die beiden sind ein Ehepaar [3][4]. Veronika Ebert hat Medizin studiert, wurde promoviert und arbeitete mehrere Jahre als Ärztin [7][8]. Erfahrung in der Spirituosenbranche brachten beide nicht mit; die Berichte sprechen von einem Start ohne Vorkenntnisse und Kontakte [5][8].

Den Anstoß gaben nach Darstellung der Firma Reisen nach Südfrankreich. Veronika Ebert habe sich 2020 ein solches Getränk gewünscht und keines gefunden, heißt es in der Presseinformation, und sei daraufhin selbst tätig geworden [3]. Die Rezeptur haben die Gründer nach eigener Aussage selbst zusammengestellt; das Magazin Meininger zitiert Veronika Ebert 2022 damit, sie habe gemeinsam mit ihrem Mann einen Lavendellikör komponiert [9].

Die ersten Schritte: Idee 2020, weniger als sechs Monate bis zum Start, erste Flasche im Februar 2021, 600 Flaschen nach drei Wochen ausverkauft.
Abbildung 1 · Die ersten Schritte: Idee 2020, weniger als sechs Monate bis zum Start, erste Flasche im Februar 2021, 600 Flaschen nach drei Wochen ausverkauft.

Von der Idee bis zur fertigen Rezeptur, zur Marke, zur Gründung der GmbH und zum Vertrag mit einem Lohnabfüller vergingen weniger als sechs Monate [4][5]. Im Februar 2021 verkauften die beiden ihre erste Flasche [6]. Die erste Charge umfasste 600 Flaschen; sie lagerten im Wohnzimmer der Gründer und waren über den eigenen Onlineshop nach drei Wochen vergriffen [4][5].

Die Arbeit teilen sich die beiden auf. Veronika Ebert verantwortet Vertrieb, Marketing und Veranstaltungen [3]; sie ist es auch, die zu Großhändlern und Gastronomen reist [5]. Constantin Ebert kümmert sich nach dem Porträt in Business Punk um Produktion, Logistik, Finanzen, Recht und Verwaltung und arbeitet daneben tagsüber als Angestellter [7]. Geld von Investoren oder aus Fördertöpfen floss nach Angaben der Firma nicht [3].

Ihren Leitsatz fasst die Marke in drei englische Wörter: „Female. Floral. French.“ [3]. Auf dem Etikett und im Logo steht ein Einhorn; beim Relaunch der Gestaltung im Jahr 2024 blieben Einhorn und Lavendelfeld erhalten [5][7].

Was in der Flasche steckt

Der Lav'a Belle Apéritif kommt in der 0,7-Liter-Flasche mit 18 Prozent Alkohol; die Produktseite nennt ihn vegan und weist ausdrücklich „mit Farbstoff“ aus [2]. Die Zutatenliste lautet vollständig: Wasser, fünffach destilliertes Getreidedestillat, Aromaextrakte, natürliche Aromastoffe, Invertzucker, Zitronensäure; Farbstoffe Brillantschwarz (E151) und Azorubin (E122); kennzeichnungspflichtige Allergene keine [2].

Zutaten und Nährwerte auf der Produktseite: Getreidedestillat, Aromaextrakte, Farbstoffe E151 und E122, 16 g Zucker je 100 ml.
Abbildung 2 · Zutaten und Nährwerte auf der Produktseite: Getreidedestillat, Aromaextrakte, Farbstoffe E151 und E122, 16 g Zucker je 100 ml.

Die Basis bildet also ein Getreidedestillat. Damit unterscheidet sich Lav'a Belle von Wermut und von Aperitifs auf Weinbasis: Wein steht nicht auf der Zutatenliste [2]. Wie oft das Destillat destilliert wurde, ist eine Angabe der Marke; Herkunft und Hersteller des Destillats nennt sie nicht [2].

AngabeWert
Flasche, Alkohol0,7 l, 18 % vol
ZutatenWasser, Getreidedestillat (fünffach destilliert), Aromaextrakte, natürliche Aromastoffe, Invertzucker, Zitronensäure
FarbstoffeBrillantschwarz (E151), Azorubin (E122)
Allergenekeine kennzeichnungspflichtigen
Energie je 100 ml170 kcal, 711 kJ
Kohlenhydrate je 100 ml18 g, davon Zucker 16 g
Fett, Eiweiß, Salz je 100 mlje 0 g
Hergestelltin Deutschland, Betrieb nicht genannt
Tabelle 1 · Lav'a Belle Apéritif: Angaben der Produktseite · Quelle: Produktseite Apéritif auf lavabelle.de, abgerufen 23.10.2026 [2].

Für die Pflanzen muss man in die Produktbeschreibung schauen. Dort nennt die Marke Bio-Lavendel aus Frankreich, dazu Rosmarin, Thymian, Bourbon-Vanille und Zitrusfrüchte sowie über 40 weitere Kräuter, deren Namen sie nicht verrät [2]. In der Presseinformation heißt es, der Apéritif werde aus echten Lavendelblüten und Kräutern der Provence hergestellt [3]. Auf der Zutatenliste steht keine dieser Pflanzen mit Namen; dort finden sie sich, wenn überhaupt, unter „Aromaextrakte“ und „natürliche Aromastoffe“ [2].

Zutatenliste und Pflanzenangaben im Vergleich: Die Pflanzen stehen nur in der Beschreibung, nicht in der Zutatenliste.
Abbildung 3 · Zutatenliste und Pflanzenangaben im Vergleich: Die Pflanzen stehen nur in der Beschreibung, nicht in der Zutatenliste.

Das ist kein Widerspruch, aber eine Lücke. Nach der EU-Aromenverordnung ist ein Aromaextrakt ein Erzeugnis, das durch physikalische, enzymatische oder mikrobiologische Verfahren aus Lebensmitteln oder anderen Ausgangsstoffen gewonnen wird; ein natürlicher Aromastoff ist dagegen ein einzelner, chemisch definierter Stoff natürlichen Ursprungs [27]. Ein Auszug aus Lavendelblüten kann also als Aromaextrakt deklariert werden. Wie die Kräuter tatsächlich in die Flasche gelangen, ob als Auszug, als Destillat oder als fertiger Aromastoff, legt die Firma aber nicht offen, ebenso wenig wie den Namen des Betriebs, der für sie herstellt und abfüllt [2][5].

Den Geschmack beschreibt die Marke so: ein moderner Aperitif aus Lavendel und Kräutern der Provence, weniger süß als klassische Aperitifs, Rosmarin, Thymian und Kräuter am Gaumen, abgerundet von Bourbon-Vanille und Zitrus [2]. Das ist die Beschreibung des Herstellers, keine eigene Verkostungsnotiz.

Woher das Lila kommt

Das Lila stammt aus zwei Lebensmittelfarbstoffen, Brillantschwarz mit der Nummer E151 und Azorubin mit der Nummer E122 [2]. Brillantschwarz ist ein blauschwarzer, Azorubin ein roter Farbstoff; zusammen ergeben sie den violetten Ton. Beide stehen offen auf der Zutatenliste, und die Produktseite schreibt schon in der Kurzbeschreibung „mit Farbstoff“ [2]. Die Farbe ist also gestaltet und nicht das Ergebnis einer Mazeration von Blüten.

Das Lila stammt aus Brillantschwarz (E151) und Azorubin (E122); Very Peri (Pantone 17-3938) als Vergleichston, Farbfelder schematisch.
Abbildung 4 · Das Lila stammt aus Brillantschwarz (E151) und Azorubin (E122); Very Peri (Pantone 17-3938) als Vergleichston, Farbfelder schematisch.

Für Azorubin gilt in der EU eine Besonderheit. Es gehört zu den Farbstoffen, für die auf Lebensmitteln normalerweise der Hinweis vorgeschrieben ist, der Farbstoff könne Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen [12]. Getränke mit mehr als 1,2 Prozent Alkohol sind von dieser Pflicht ausgenommen [12]. Für den Apéritif mit 18 Prozent und den Le Spritz mit 5,5 Prozent greift die Ausnahme. Das alkoholfreie Liberté, das ebenfalls E122 enthält, liegt unter dieser Grenze [13]; im Zutaten- und Nährwertbereich seiner Produktseite steht ein solcher Hinweis nicht; das Flaschenetikett von Liberté habe ich nicht gesehen.

Mit der Farbe hat die Marke einen Trend getroffen. Das Weinmagazin Meininger wies 2022 darauf hin, dass der Ton nah an der Pantone-Farbe des Jahres 2022 liegt, Very Peri [9]. Pantone hatte Very Peri mit der Nummer 17-3938 im Dezember 2021 zur Farbe des Jahres 2022 erklärt [10]. Der Vergleich stammt also nicht vom Marktstart im Februar 2021, sondern aus dem Jahr darauf. Very Peri ist ein bläuliches Violett und wirkt neben der Flüssigkeit etwas blauer; in Abbildung 4 steht das Farbfeld deshalb als Vergleichston, nicht als Flaschenfarbe.

Zucker und Recht: warum es ein Likör ist

Je 100 Milliliter enthält der Apéritif 16 Gramm Zucker, auf den Liter gerechnet also 160 Gramm [2]. Die Kohlenhydrate liegen bei 18 Gramm je 100 Milliliter, der Brennwert bei 170 Kilokalorien [2]. Ein Glas mit 5 Zentilitern, wie im Spritz-Rezept der Marke, bringt damit 8 Gramm Zucker mit (Rechnung des Autors).

Zucker je Liter in drei Produkten der Marke, dazu der Mindestwert für Likör nach Verordnung (EU) 2019/787.
Abbildung 5 · Zucker je Liter in drei Produkten der Marke, dazu der Mindestwert für Likör nach Verordnung (EU) 2019/787.

Rechtlich ist das eindeutig. Die Spirituosenverordnung der EU legt in Anhang I, Kategorie 33, fest, was ein Likör ist: eine Spirituose mit einem Mindestgehalt an süßenden Erzeugnissen, ausgedrückt als Invertzucker, von 100 Gramm je Liter, mit Ausnahmen von 70 Gramm für Kirschlikör und 80 Gramm für Enzianlikör und ähnliche, und mit einem Mindestalkoholgehalt von 15 Prozent [11]. Lav'a Belle liegt mit 160 Gramm und 18 Prozent über beiden Werten. Die Firma selbst führt ihn auf der Produktseite als Lavendel-Likör, die Presseinformation spricht von einem floralen Likör [2][3]. Eine eigene Kategorie „Aperitif“ kennt Anhang I der Verordnung nicht [11]; das Wort beschreibt den Anlass, zu dem man trinkt, nicht die rechtliche Gattung.

MerkmalLav'a Belle ApéritifLikör nach VO (EU) 2019/787
Zucker160 g/l (16 g je 100 ml)mindestens 100 g/l als Invertzucker
Alkohol18 % volmindestens 15 % vol
Süßung laut ZutatenlisteInvertzuckersüßende Erzeugnisse
Bezeichnung durch die FirmaLavendel-Likör, floraler LikörKategorie 33 Likör
Tabelle 2 · Lav'a Belle Apéritif und die Likör-Definition der EU · Quelle: Produktseite [2]; Presseinformation [3]; Verordnung (EU) 2019/787, Anhang I Nr. 33 [11].

Beworben wird Lav'a Belle trotzdem als weniger süß als klassische Aperitifs [2]. Mit welchen Produkten die Marke vergleicht und welche Zuckerwerte sie zugrunde legt, sagt sie nicht. Nachprüfen lässt sich die Aussage aus den Quellen deshalb nicht; wer es wissen will, legt die Nährwerte des eigenen Lieblingsaperitifs daneben. Die vollständige Zutatenliste und die Nährwerte stehen auf der Produktseite des Herstellers [2].

Die Produktfamilie

Seit dem Start im Februar 2021 ist aus dem einen lila Apéritif eine Familie von fünf Produkten geworden [3][6]. Sie reicht vom alkoholfreien Getränk bis zum Negroni aus der Flasche mit 26 Prozent.

Die Produktfamilie von 2021 bis 2026 nach Alkoholgehalt, L'Amère als limitierte Auflage hervorgehoben.
Abbildung 6 · Die Produktfamilie von 2021 bis 2026 nach Alkoholgehalt, L'Amère als limitierte Auflage hervorgehoben.

Im Januar 2022 folgte Liberté, eine alkoholfreie Fassung mit weniger als 0,5 Prozent Alkohol, wie sie nach deutschem Recht als alkoholfrei gilt [3][13]. Liberté enthält laut Nährwerttabelle keinen Zucker. Auf der Zutatenliste stehen Wasser, Restalkohol, Glycerin, Aromaextrakte, natürliche Aromastoffe, Zitronensäure, die Konservierungsstoffe Kaliumsorbat und Natriumbenzoat sowie der Süßstoff Sucralose, dazu dieselben Farbstoffe E151 und E122 [13]. Die Süße liefert also die Sucralose. Glycerin schmeckt leicht süßlich und gibt Körper; welche Aufgabe es in Liberté hat, nennt die Firma nicht [13].

Seit März 2025 gibt es Le Spritz in der 0,33-Liter-Flasche, ein trinkfertiges Weinmischgetränk mit 5,5 Prozent [14][15][16]. Die Marke verbindet darin ihren Apéritif mit Roséwein, Wasser und Kohlensäure [14]. Die Zutatenliste nennt außerdem Zucker, mehrere Säuren, Kaliumhydrogensulfit und Konservierungsstoffe; als Allergen sind Sulfite angegeben, der Zuckergehalt liegt bei 6 Gramm je 100 Milliliter [14]. Entwickelt wurde Le Spritz 2024 mit einem österreichischen Vertriebspartner [4]. Woher der Roséwein stammt, nennen weder Produktseite noch Presse.

Im selben Jahr entstand L'Amère, ein limitierter lila Negroni aus der Flasche mit 26 Prozent in der 0,5-Liter-Flasche [17][18]. Mitentwickelt hat ihn die Bartenderin Frederike Behrens von der Collab Bar in Hamburg [17][18]. L'Amère erschien im Oktober 2025 zum Bar Convent Berlin und ist auf 2.000 Flaschen begrenzt [17][18]. Die Firma nennt ihn auf der Produktseite einen Ready-to-Drink Purple Negroni auf Basis des Apéritifs [17]. Er steht im normalen Onlineshop und ist kein reines Gastronomieprodukt [17].

Im September 2026 stellte die Marke Rêve Doux vor, einen Cremelikör mit Lavendel und 15 Prozent in der 0,5-Liter-Flasche [19][20]. Er enthält Milch; die Marke empfiehlt ihn pur und gut gekühlt als Digestif, als Begleiter zu Desserts oder als deren Bestandteil [19]. Ein genaues Startdatum nennt die Firma nicht, belegt ist die Vorstellung über eine Pressemeldung vom 23. September 2026 [20].

JahrProduktAlkohol, FlascheBesonderheit
2021 (Februar)Apéritif18 % vol, 0,7 lGetreidedestillat, Invertzucker, 160 g Zucker je Liter
2022 (Januar)Liberté< 0,5 % vol, 0,7 lohne Zucker, Sucralose und Glycerin
2025 (März)Le Spritz5,5 % vol, 0,33 ltrinkfertig, mit Roséwein, Wasser und Kohlensäure
2025 (Oktober)L'Amère26 % vol, 0,5 llimitierter lila Negroni, 2.000 Flaschen, mit Frederike Behrens
2026 (September)Rêve Doux15 % vol, 0,5 lCremelikör mit Lavendel, enthält Milch, Digestif oder Dessert
Tabelle 3 · Die Lav'a-Belle-Familie · Quelle: Produktseiten [2][13][14][17][19]; Presseinformation [3]; about-drinks [6][15][18][20]; yumda [16].

Alle fünf Produkte tragen die beiden Farbstoffe beziehungsweise den Hinweis „mit Farbstoff“ [2][13][14][17][19]. Die Familie hält damit an dem Lila fest, mit dem die Marke begonnen hat.

Markt und Auszeichnungen

Nach eigenen Angaben führen rund 1.000 Bars, Restaurants und Hotels den Apéritif [8]. In der Presseinformation vom Februar 2026 war noch von über 800 Bars und Restaurants die Rede [3]. Beide Zahlen stammen von der Firma; eine unabhängige Zählung gibt es nicht. Im Einzelhandel nennt die Firma Feinkostabteilungen wie Feinkost Käfer, KaDeWe und Alsterhaus [8].

Außerhalb Deutschlands verkauft Lavabelle in Österreich, Frankreich, der Schweiz, den Niederlanden und Belgien [3][8]. In Österreich soll 2026 eine eigene Tochtergesellschaft gegründet werden; Import und Vertrieb steuert die Firma nach eigener Darstellung außer in der Schweiz selbst, mit fünf Logistikzentren in drei Ländern [3]. In Frankreich nennt das Interview La Maison du Whisky als Partner [8]. Für 2025 meldet die Firma ein Umsatzwachstum von 100 Prozent, ohne absolute Zahlen zu nennen [3].

Produktübersicht auf lavabelle.de mit den Siegeln: ISW für den Apéritif, „Produkt des Jahres“ für Liberté, Falstaff 92 für Le Spritz.
Abbildung 7 · Produktübersicht auf lavabelle.de mit den Siegeln: ISW für den Apéritif, „Produkt des Jahres“ für Liberté, Falstaff 92 für Le Spritz.

Das Weinmagazin Falstaff hat den Apéritif zuletzt mit 92 Punkten bewertet, im Spirits Special 2025; im Jahr davor waren es 91 Punkte [22]. Auf der Produktübersicht der Marke sind außerdem Falstaff-Siegel aus dem Tasting 2026 zu sehen, mit 92 Punkten für Le Spritz und 93 Punkten für L'Amère [21]. Diese Siegel gelten den jeweiligen Produkten, nicht dem Apéritif.

Beim Meininger's International Spirits Award 2026 erhielt der Apéritif Gold und wurde in der nationalen Wertung zum Aperitif des Jahres gekürt [23][24]. Die Presseinformation nennt außerdem Gold bei der DLG 2023 und Gold bei der Women's International Trophy 2024 [3]. Liberté zeigt auf der Produktseite das Siegel „Produkt des Jahres 2026, Getränke“ von ntv und dem Deutschen Institut für Service-Qualität, laut Siegel nach Jurybewertung [13][21].

Wie die Marke ihn serviert

Die Marke setzt auf den Spritz. Ihr Grundrezept sieht 5 Zentiliter Lav'a Belle auf 16 Zentiliter Filler vor, auf Eis und mit einem Rosmarinzweig im Glas, wahlweise mit einer Zitronenzeste [25]. Zuerst kommt der Filler auf das Eis, danach der Aperitif; die beiden verbinden sich fast von allein, und die Marke rührt höchstens einmal um [25].

Pressefoto der Marke: Spritz im Weinglas mit Flasche und Messbecher.
Abbildung 8 · Pressefoto der Marke: Spritz im Weinglas mit Flasche und Messbecher.

Als Filler schlägt die Marke Tonic, Bitter Lemon, Ginger Beer, Wildberry, Sekt oder einen Weiß- oder Roséwein mit Mineralwasser vor [25]; die Produktseite nennt außerdem Prosecco [2]. Jeder Filler lenkt den Lavendel in eine andere Richtung (Einschätzung des Autors).

Rechnet man nach, landet ein Spritz nach dem Grundrezept vor dem Schmelzen des Eises bei etwa 4,3 Prozent Alkohol: 5 Zentiliter mit 18 Prozent enthalten 0,9 Zentiliter Alkohol, verteilt auf 21 Zentiliter Flüssigkeit (Rechnung des Autors). Das liegt etwas unter den 5,5 Prozent des fertigen Le Spritz [14]. Zum Zucker aus dem Aperitif, 8 Gramm je Glas, kommt der Zucker des Fillers hinzu (Rechnung des Autors).

Daneben empfiehlt die Marke einen Sour mit 6 Zentilitern Lav'a Belle, 3 Zentilitern Zitronensaft und 1,5 Zentilitern Zuckersirup, auf Wunsch mit einem halben Eiweiß oder veganem Eiweißpulver. Zubereitet wird er zuerst ohne Eis geschüttelt, dann mit Eis [25].

Spritz und Sour nach den Rezepten der Marke, dazu der Zucker, den der Aperitif ins Glas bringt.
Abbildung 9 · Spritz und Sour nach den Rezepten der Marke, dazu der Zucker, den der Aperitif ins Glas bringt.
DrinkZutatenZubereitung
Spritz5 cl Lav'a Belle, 16 cl Filler, Eis, Rosmarinzweig, optional Zitronenzesteerst Filler, dann Aperitif, höchstens einmal umrühren
Sour6 cl Lav'a Belle, 3 cl Zitronensaft, 1,5 cl Zuckersirup, optional ½ Eiweiß oder veganes EiweißpulverDry Shake, dann mit Eis schütteln
Tabelle 4 · Grundrezepte der Marke · Quelle: Rezeptseite auf lavabelle.de [25].

Beim Sour lohnt ein Blick auf den Zucker. Die 6 Zentiliter Aperitif bringen bei 160 Gramm je Liter schon 9,6 Gramm Zucker mit, bevor ein Tropfen Sirup im Shaker ist (Rechnung des Autors). Mein Rat: Wer eine eigene Rezeptur baut, dosiert den Zuckersirup zuerst knapper, probiert und legt bei Bedarf nach (Einschätzung des Autors).

Im Video schlage ich außerdem zwei Drinks vor, die nicht von der Marke stammen: einen Lavendel-Negroni und einen Old Fashioned mit Lav'a Belle. Für beide muss man Kräuter und vor allem Lavendel wirklich mögen (Einschätzung des Autors). Die Rezeptseite der Marke führt selbst einen Purple Negroni unter ihren Bar-Klassikern [25].

Preise (Stand Oktober 2026)

Im Onlineshop der Marke kostet der Apéritif 26 Euro für 0,7 Liter, das sind 37,14 Euro je Liter [2]. Liberté kostet ebenso viel, Le Spritz 4,50 Euro für 0,33 Liter, L'Amère 34 Euro und Rêve Doux 25 Euro für je 0,5 Liter [13][14][17][19].

ProduktFlaschePreisje Liter
Apéritif0,7 l26,00 €37,14 €
Liberté0,7 l26,00 €37,14 €
Le Spritz0,33 l4,50 €13,64 €
L'Amère0,5 l34,00 €68,00 €
Rêve Doux0,5 l25,00 €50,00 €
Tabelle 5 · Preise im Onlineshop der Marke, Stand 23. Oktober 2026 · Quelle: Produktseiten auf lavabelle.de [2][13][14][17][19]; Literpreis für Le Spritz eigene Rechnung; Preise inkl. MwSt., ohne Versand, Momentaufnahme.

Im Handel können die Preise abweichen; Händlerpreise habe ich für diesen Beitrag nicht erhoben.

Meine Wertung

Meine Note für den Lav'a Belle Apéritif lautet 9 von 10 (Einschätzung des Autors). Für mich ist er ein Bitteraperitif der anderen Art: nicht rot und nicht orange wie die meisten Bitteraperitifs, sondern lila, und mit einem deutlichen Kräuterprofil (Einschätzung des Autors). Die Wertung beruht auf meiner Arbeit mit der Flasche; eine Verkostung zeigt das Video nicht.

Was die Flasche sachlich auszeichnet, ergibt sich aus den Angaben der Marke: Zutaten, Farbstoffe und Nährwerte stehen vollständig auf der Produktseite [2]. Das Lila stammt aus zwei Farbstoffen, und die Marke sagt das offen. Offen bleibt dagegen, wie die Kräuter in die Flasche kommen und wer das Getränk herstellt [2]. Seine Stärke sehe ich im Spritz, wo der Filler die Süße auffängt, aber auch im Negroni, wo der Lavendel die Führung übernimmt (Einschätzung des Autors).

Belegstand und Grenzen dieses Beitrags

AussageBelegStand
Gründer Veronika und Constantin Ebert, Lavabelle GmbH, StuttgartImpressum [1]; Presseinformation [3]belegt
Veronika Ebert Ärztin, ohne BranchenerfahrungBusiness Punk [7]; yumda [5]; about-drinks [8]belegt; [8] ist Werbebeitrag
Idee 2020, weniger als sechs Monate bis zum StartPresseinformation [3]; yumda [5]; about-drinks [4]Firmenangabe, mehrfach berichtet
Erste Flasche im Februar 2021about-drinks [6]belegt
600 Flaschen, nach drei Wochen vergriffenyumda [5]; about-drinks [4]Firmenangabe
Keine Investoren, keine FördermittelPresseinformation [3]Firmenangabe
0,7 l, 18 %, Zutaten, Farbstoffe E151 und E122Produktseite [2]Herstellerangabe
Pflanzen: Bio-Lavendel, Rosmarin, Thymian, Vanille, Zitrus, über 40 KräuterProduktseite [2]Herstellerangabe; Form nicht offengelegt
Hersteller und AbfüllerProduktseite [2]; yumda [5]nicht genannt
Nähe zu Very PeriMeininger 2022 [9]; Pantone [10]belegt für 2022, nicht für den Marktstart
16 g Zucker je 100 ml, rechtlich ein LikörProduktseite [2]; VO (EU) 2019/787 [11]belegt
Weniger süß als klassische AperitifsProduktseite [2]Werbeaussage, nicht nachprüfbar
Produktfamilie, Daten und Stärken[3][13]–[20]belegt; Rêve Doux über Pressemeldung datiert
Rund 1.000 Gastronomiebetriebeabout-drinks [8]Firmenangabe; Februar 2026 noch über 800 [3]
Falstaff 92 PunkteFalstaff [22]Recherche vom 23.10.2026; Seite nicht automatisch abrufbar
Aperitif des Jahres, ISW 2026, nationalMeininger [23]; Stuttgarter Zeitung [24]belegt
Spritz- und Sour-RezeptRezeptseite [25]Herstellerangabe
Alkohol und Zucker im Glas–Rechnung des Autors
Negroni und Old Fashioned–Vorschlag des Autors
Wertung 9 von 10–Einschätzung des Autors
Tabelle 6 · Belegstand der zentralen Aussagen

Der Beitrag gibt den Stand vom Oktober 2026 wieder. Die Angaben zu Zutaten, Nährwerten, Herkunft und Markt stammen weitgehend von der Firma selbst; eine unabhängige Analyse der Flasche liegt nicht vor. Zahlen zu Gastronomiepartnern und Umsatz sind Firmenangaben, die sich nicht überprüfen lassen. Die Falstaff-Bewertung beruht auf der Recherche und den Angaben der Marke, weil die Seiten von Falstaff den automatischen Abruf verweigern. Eine Verkostung enthält dieser Beitrag bewusst nicht.

Fazit

Lav'a Belle ist ein Lavendel-Likör auf Getreidebasis mit 18 Prozent, erdacht von einer Ärztin und ihrem Mann aus Stuttgart und seit Februar 2021 im Handel. Mit 160 Gramm Zucker je Liter liegt er klar über der Schwelle, die die EU für einen Likör verlangt, auch wenn er als Aperitif verkauft wird. Sein Lila verdankt er zwei Lebensmittelfarbstoffen, Brillantschwarz und Azorubin, die offen auf der Zutatenliste stehen. Welche Pflanzen in welcher Form in der Flasche stecken und wer sie abfüllt, verrät die Marke nicht. Aus dem einen Apéritif ist inzwischen eine Familie von fünf Produkten geworden, von alkoholfrei bis 26 Prozent. Am besten aufgehoben sehe ich ihn im Spritz, von mir bekommt er 9 von 10 Punkten (Einschätzung des Autors).

Wer weiter über Lavendel im Glas diskutieren möchte, findet uns auf dem DrinkLink-Discord: discord.gg/4gFJCzj.

Immer neugierig bleiben – cheerz.

Quellen

Bildnachweis

Beitragsbild und Abbildung 8: Lavabelle GmbH, Pressematerial (lavabelle.de/pages/media), Ausschnitt.

Abbildung 1, 3, 4, 5, 6 und 9: DrinkLink.

Abbildung 2 und 7: Screenshot lavabelle.de, abgerufen 23.10.2026 (Ausschnitt).

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