Nach einigen Tagen Hin und Her habe ich mich entschieden, dieses Video zu machen, ungescriptet. Es geht um den Wagemut PX Cask und um eine Frage, die mich umtreibt: Ist das Rum oder nicht? Vorweg: Ich mag den Tropfen. Er ist gut. Was mich stört, ist, wie er beworben wird.
Was auf dem Etikett steht und was in der Werbung
Vorne auf dem Etikett steht nirgendwo Rum. In der Verkehrsbezeichnung steht Spirituose. Nikolas Kröger, der Schöpfer dieser Spirituose, sagt dagegen in seinen Videos, es sei Rum, und so wird der PX Cask auch auf mehreren Social-Media-Kanälen beworben. Beides geht nicht zusammen. Rum ist nach der Spirituosenverordnung (EU) 2019/787 klar definiert: Gesüßt werden darf er bis 20 g pro Liter, ein Zusatz ist nicht erlaubt. Steht in der Verkehrsbezeichnung Spirituose, darf nicht Rum draufstehen und nicht als Rum geworben werden.
Wie der Sherry ins Fass kommt
Aus Krögers Videos habe ich mir Folgendes herausgezogen: Er importiert PX-Sherry und füllt ihn für drei bis sechs Monate in ein Fass, das vorher mit Wein belegt war. Vorbelegt heißt: Im Holz ist schon Flüssigkeit, sonst wäre das Fass nicht dicht. Danach kommt Barbados-Rum für ein halbes Jahr hinein.
Mit Fassexperten, unter anderem Herrn Eder, habe ich über die Saugfähigkeit von Holz gesprochen. Kröger spricht abwechselnd von einem 25-Liter-Fass und von 10 bis 15 Litern Sherry im Holz. 10 bis 15 Liter passen aber zu einem Fass mit rund 200 Litern. Ein trockenes 225-Liter-Fass nimmt 17 bis 18 Liter ins Holz auf. Ein Fass, in dem vorher Wein lag, ist feucht und nimmt deutlich weniger auf.
Ein kurzer Exkurs zur Altersangabe: 5 bis 12 Jahre auf die Flasche zu schreiben ist legitim, damit bin ich fein. Unzulässig ist die Aussage „im Durchschnitt 10 Jahre“. Welcher Durchschnitt, über welchen Zeitraum?
Meine Zuckermessung
Ich habe drei Flaschen gemessen, auf zwei Arten: mit einem Messgerät und, als Gegenprobe, indem ich ein Drittel einer Flasche komplett eingekocht und den Rückstand gewogen habe. Beide Wege ergeben 18,1 g pro Liter. Im Zweifel für den Angeklagten gehe ich davon aus, dass das nur Zucker aus dem PX ist und kein Farbstoff, denn Farbstoff müsste ausgezeichnet sein.
Jetzt die Rechnung: 18 g pro Liter auf fast 200 Liter sind 724 g Zucker. Bei rund 212 g Restzucker pro Liter, einem normalen Wert für PX-Sherry, wären das 3,4 Liter Sherry, die komplett aufgenommen werden müssten. Korrektur: 18,1 g pro Liter auf rund 200 Liter sind gut 3,6 kg Zucker. Bei 212 g Restzucker pro Liter wären das rund 17 Liter Sherry, die innerhalb eines halben Jahres aus dem Holz in den Rum übergehen müssten. Das ist mehr, als ein vorbelegtes Fass überhaupt aufnehmen kann. Ein vollständiger Austausch in dieser Zeit ist physikalisch nicht möglich, an der Aussage ändert sich also nichts.
Zwei Erklärungen
Erklärung eins: Die Verkehrsbezeichnung muss sicher sein. Besteht auch nur ein Hauch von Zweifel, darf der Verbraucher nicht in die Irre geführt werden. Wer Spirituose schreibt, ist auf der sicheren Seite, dann ist es aber kein Rum.
Erklärung zwei: ein Wet Cask Finish. Das Fass wird ausgeleert, aber nicht ganz, es bleiben 2 bis 5 Liter Sherry darin. Das würde den Zuckergehalt erklären. Dann ist der Sherry aber eine Zugabe zum Rum, und das Produkt darf nicht mehr Rum heißen. Es ist eine Spirituose, sauber deklariert. Übrigens: Sherry mit S. Mit C wäre es Kirsche.
Fazit
Der PX Cask ist ein leckeres Tröpfchen, aber de facto eine Spirituose und kein Rum, weder nach der Verordnung (EU) 2019/787 noch nach einer anderen Regelung in Deutschland oder der EU. Hätte der Hersteller sauber kommuniziert, hätte ich nie etwas gesagt, auch nicht zum Preis. Glauben ist schön, wissen ist besser. Bleib neugierig und hinterfrage alles.