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Wagemut The Origin im Test: Warum ich bei 4,0 von 10 bleibe

21. Oktober 2026 · Jörg Kalinke · 10 Min. Lesezeit
Rumbotschaft
Rumbotschaft

Auf RumX habe ich Wagemut The Origin mit 4,0 von 10 bewertet, und diese Note hat in einer geschlossenen Facebook-Gruppe eine lebhafte Diskussion ausgelöst. Dieser Beitrag legt offen, woran die Note hängt: was in der Flasche steckt, wie der Rum im Glas abschneidet, was Wasser mit ihm macht und wie er neben Rums aus derselben Destille dasteht. Er ergänzt das Video um Details, die dort keinen Platz hatten, und geht auf die Einwände aus der Gruppe ein.

Die Abfüllung im Steckbrief

Name auf der FlascheWagemut The Origin (in der RumX-Datenbank als „Foursquare Wagemut The Origin (RumX Co-Bottling) 2026“ geführt)
DestilleFoursquare Distillery, Barbados
AbfüllerWagemut, Quickborn; Inverkehrbringer ist die Wagemut Online UG (haftungsbeschränkt)
RohstoffZuckerrohrmelasse
DestillationVerschnitt aus Double Retort Pot Still und Traditional Twin Column Coffey Still
Fassehemalige Bourbonfässer, mehrere Fässer vermählt, kein Finish
Alter10 Jahre, vollständig tropisch auf Barbados gereift
Alkohol64,1 % vol, Fassstärke
Zusätzelaut RumX kein Zucker, keine Farbe, keine Filtration
Auflage3.000 Flaschen à 0,7 l
Preis59,90 € bei RumX; ich habe mit Versand 64,90 € bezahlt

Wer hinter Wagemut steht

Gegründet hat die Marke Nicolas Kröger. Laut einem Branchenbericht von 2019 arbeitete er im Salut und im Lebensstern in Berlin, war danach im Rum Depot in Berlin-Schöneberg angestellt und eröffnete 2018 in Kreuzberg eine Bar namens Wagemut. Seine Spirituosen kamen zuerst als „N. Kröger fine spirits“ auf den Markt und heißen seit September 2019 Wagemut. In Verkehr bringt die Flaschen heute die Wagemut Online UG mit Sitz in Quickborn.

Gebrannt hat Wagemut den Origin nicht. Der Rum stammt aus der Foursquare Distillery auf Barbados, die Richard Seale leitet. Wagemut kauft fertig gereiften Rum und füllt ihn unter eigenem Namen ab; Fachleute nennen diesen Weg unabhängige Abfüllung. Laut RumX stimmte Richard Seale dieser Abfüllung zu und kommentierte sie mit dem Satz „You will be pleased“, du wirst zufrieden sein.

Auf dem Etikett ist zudem das Logo von Foursquare gedruckt. Ob die Zustimmung zur Abfüllung auch dieses Markenzeichen umfasst, beantwortet keine der Quellen, und deshalb lasse ich die Frage offen: Hatte Wagemut die Erlaubnis, das Foursquare-Logo auf dem Etikett zu verwenden?

Zur Probe, um die es in der Verkostung geht: Nicolas Kröger und ich standen über eine Videoreihe zu Wagemut auf DrinkLink in fachlichem Austausch. In dieser Zeit schickte er mir ein Muster des Rohmaterials, also des zehnjährigen Foursquare in derselben Stärke, bevor vom Origin überhaupt die Rede war.

Was der Abfüller verspricht

Als Rohstoff nennen Nicolas Kröger und das Spirituosen-Journal Zuckerrohrmelasse, den zähen, dunklen Sirup, den die Zuckerfabrik abtrennt, sobald der Zucker auskristallisiert ist. Gebrannt wurde, wie bei Foursquare üblich, auf zwei Anlagen. Die Double Retort Pot Still ist eine Brennblase, die chargenweise arbeitet: Sie wird befüllt, destilliert und vor dem nächsten Durchgang wieder entleert. Die Traditional Twin Column Coffey Still destilliert dagegen ohne Unterbrechung, solange vergorene Melasse nachfließt. Die Destillate beider Anlagen wurden anschließend verschnitten.

Gereift ist der Rum 10 Jahre vollständig auf Barbados, also unter tropischem Klima, in ehemaligen Bourbonfässern. Vermählt wurden mehrere Fässer; wie viele es waren und in welchem Jahr der Rum destilliert wurde, geben weder Abfüller noch Fachpresse an. Ein Finish, also eine zweite Reifung in einem anders vorbelegten Fass, hat der Origin nicht erhalten. Laut Spirituosen-Journal bildet er die Basis des Wagemut PX-Cask, der nach zehn Jahren auf Barbados noch drei Monate in frisch entleerten Sherryfässern der Rebsorte Pedro Ximénez in Deutschland nachreift.

Abgefüllt ist der Origin in Fassstärke mit 64,1 Prozent, also ohne das Wasser, mit dem Hersteller einen Rum sonst auf Trinkstärke herabsetzen. Der Alkoholgehalt legt fest, wie vielfältig und dicht die Aromen ausfallen, und deshalb verdünnen Profis bei der Verkostung tropfenweise. Nach Angaben von RumX wurde dem Rum weder Zucker noch Farbe zugesetzt, gefiltert wurde er ebenfalls nicht, und Nicolas Kröger wie das Spirituosen-Journal bezeichnen ihn als naturbelassen.

Vorgeschrieben ist dieser Verzicht nur zum Teil. Nach der Verordnung (EU) 2019/787 darf Rum nicht aromatisiert werden, eine Süßung bis 20 Gramm je Liter ist jedoch erlaubt, und Zuckerkulör darf die Farbe angleichen. Den Verzicht auf Zucker und Farbe haben Destille und Abfüller also selbst entschieden, und Foursquare verzichtet bei allen eigenen Abfüllungen ebenso darauf.

Die Verkostung: Probe gegen Flasche

Probe des Rohmaterials und gekaufter Wagemut The Origin in zwei gleichförmigen Gläsern nebeneinander

Für den Vergleich standen links die Probe des Rohmaterials und rechts die gekaufte Flasche vor einem weißen Blatt. Die gekaufte Flasche wirkt dunkler, weil ihr Glas dicker ist. In zwei gleichförmigen Gläsern und bei gleicher Menge zeigen Probe und Origin dieselbe Farbe, und beide haben 64,1 Prozent.

In der Nase finde ich bei beiden Vanille und Karamell, ohne zu schwenken. Die Kraft der 64,1 Prozent, die Vollheit, die diese Stärke erwarten lässt, ist in keinem der beiden Gläser zu spüren. Auffällig ist ein Unterschied: Die gekaufte Flasche wirkt in der Nase körperreicher und deutlicher. Vermutlich liegt das daran, dass sie direkt und mit wenig Sauerstoffkontakt abgefüllt wurde. Anzahl und Dichte der Aromen sind dagegen bei beiden gleich.

Am Gaumen bringt die Probe die zu erwartende Schärfe der Fassstärke mit, und diese Schärfe stammt aus zwei Quellen: aus der Fassstärke und aus schwarzem Pfeffer, der zusammen mit Lakritz vorne steht. Erst danach folgen Karamell und Vanille, zart im Nachhall. Pfeffriges Lakritz vorne, Karamell und Vanille hinten, und damit endet der Rum.

Der gekaufte Origin schmeckt genauso scharf und genauso flach, mit denselben dominierenden Aromen: schwarzer Pfeffer und Lakritz vorne, Karamell und Vanille im Nachhall. Für mich sind die beiden damit gleich. Der Rum ist nicht schmeckbar gesüßt, und aus meiner Sicht hat ihn der Inverkehrbringer auch nicht nachbehandelt, weder mit Zucker noch mit einem weiteren Fass.

Damit beantwortet der Vergleich auch die Frage, die mein erster Eindruck auf dem Rumfest aufgeworfen hatte. Dort hatte ich den Origin zwischen Ständen und Gesprächen probiert und auf RumX geschrieben, er wirke zart nachträglich gesüßt. Diesen Teil meiner Bewertung nehme ich zurück: Umgebung und Stimmung haben den Eindruck verfälscht. Die Note von 4,0 hat sich an meinem üblichen Verkostungsplatz trotzdem bestätigt, an dem ich alles verkoste, auch wenn ich weder streame noch Videos aufnehme.

Aufschließen mit Wasser

Hinter 64,1 Prozent kann sich eine Menge Aromen verstecken, und deshalb habe ich beide Gläser aufgeschlossen, wie es in der Fachsprache heißt. In jedes Glas kamen zunächst drei Tropfen gefiltertes Leitungswasser. Durch die Verdünnung verflüchtigen sich einige Aromen, und andere können hervortreten.

Nach den ersten drei Tropfen wird die Probe deutlich schärfer und lakritziger, und ein paar Kräuternoten kommen heraus. Der Rum wird damit etwas komplexer, aber nicht in einem Maß, das die Note verschiebt. Der gekaufte Origin zeigt dasselbe Bild.

Nach drei weiteren Tropfen, also sechs Tropfen auf höchstens zwei Zentiliter, werden beide in der Nase flacher. Am Gaumen lässt das Lakritz nach, der Pfeffer wird deutlich schwächer, Karamell tritt nach vorne, dazu eine Spur Vanille. Auch hier verhalten sich Probe und gekaufte Flasche gleich.

Das ist für die Beurteilung entscheidend. Auch wer den Origin weiter herunterverdünnt und, wie es die ursprüngliche Idee von Nicolas war, anschließend in einem PX-Fass veredelt, startet mit einem Rum, den Wasser abschwächt und verflacht. Das bestärkt mich in meiner 4,0.

Woran die Note hängt

Die Rums von Foursquare kenne ich seit Jahren. Bei jeder Destille probiere ich zuerst das ungereifte Sortiment, um Haus und Stil zu erfassen, danach die länger gereiften Qualitäten. Die Destille auf Barbados brennt vor Ort für drei Marken: Foursquare, Doorly's und The Real McCoy. Was diese Marken in den einzelnen Reifestufen erreichen, lässt sich an jeder ihrer Flaschen nachprüfen, und an diesem Maßstab misst sich der Origin. In meinem Regal stehen 16 Abfüllungen von Foursquare und alle Abfüllungen von Doorly's.

Der Origin entspricht unverändert dem Rohmaterial. Wagemut leistet bei dieser Abfüllung die Auswahl des Rums, das Etikett und den Vertrieb über RumX, und genau diese Auswahl muss sich im Glas beweisen. Vanille und Karamell sind bei Rum dieser Reifestufe der Normalfall und heben den Origin aus keinem Vergleich heraus. Die Schärfe kommt aus der Fassstärke und aus dem schwarzen Pfeffer, und Körper, der diese Stärke auffängt, fehlt dem Rum.

Über meinen früheren Arbeitgeber hatte ich direkten Kontakt zu Richard Seale. Auf die Frage, welchen Rum seine Destille als Bulkware an fremde Abfüller abgibt, antwortete er sinngemäß: Was die drei Marken brauchen, bleibt im Haus, und was diesen Anspruch verfehlt, wird auf dem Weltmarkt verkauft. Mein Schluss daraus lautet: Die Qualität dieses Rums ist nicht hoch genug, um in einer der drei Marken der Destille Verwendung zu finden.

Der Doorly's 12 aus derselben Destille kostet im Angebot 42 Euro und zeigt deutlich mehr Körper. The Real McCoy 10, ebenfalls bei Foursquare destilliert, bringt mehr Körper mit als der Origin und kostet rund 20 Euro weniger, ist in Deutschland derzeit aber nicht erhältlich.

Drei Befunde stützen deshalb die 4,0 von 10. Erstens entspricht der Inhalt dem Rohmaterial ohne eigenes Zutun des Abfüllers. Zweitens bleibt der Rum im Glas bei pfeffrigem Lakritz, Karamell und Vanille flach, auch mit Wasser. Drittens bekommst du für 59,90 Euro aus derselben Destille Rums mit mehr Körper.

Die Einwände aus der Facebook-Gruppe

Meine erste Bewertung wurde in der geschlossenen Facebook-Gruppe Wagemut Taste Academy diskutiert. Neben Beleidigungen, die ich hier nicht wiederhole, standen dort Einwände, und fünf davon verdienen eine sachliche Antwort. Die Screenshots zeigen den Wortlaut; Namen, Profilbilder und Markierungen im Kommentartext sind unkenntlich gemacht.

Screenshot des Gruppenbeitrags in der Wagemut Taste Academy mit der RumX-Bewertung 4,0, Namen und Profilbilder unkenntlich

Der erste Einwand lautet, ein unverfälschter Rum in Fassstärke sei ein purer Stoff und deshalb gut. Fassstärke und der Verzicht auf Zusätze beschreiben, wie ein Rum hergestellt wurde. Ein Urteil über den Geschmack im Glas folgt daraus allein nicht, und genau dieses Urteil ist eine Bewertung auf RumX.

Screenshot des Kommentars „purer Stoff“ mit der Note 8,5, Namen unkenntlich

Der zweite Einwand lautet, für knapp 60 Euro dürfe man den Origin nicht mit Abfüllungen derselben Destille vergleichen, die das Zweieinhalbfache kosten. Solche Abfüllungen kommen in meinem Vergleich nicht vor. Der Doorly's 12 kostet im Angebot 42 Euro, und The Real McCoy 10 liegt rund 20 Euro unter dem Preis des Origin.

Screenshot des Kommentars zum Vergleich mit einer 150-Euro-Abfüllung, Namen unkenntlich

Der dritte Einwand zielt auf die Erfahrung des Bewerters, weil mein Profil auf RumX erst sechs Bewertungen zeigt. Die Zahl der Einträge auf einer Plattform misst allerdings keine Berufsjahre. Für diese Note zählen 30 Jahre hinter der Bar, 16 Foursquare-Abfüllungen und alle Doorly's in meinem Regal sowie das Gespräch mit Richard Seale.

Screenshot des Kommentars zur Zahl der RumX-Bewertungen, Namen unkenntlich

Der vierte Einwand lautet, hinter der Note stehe eine Abneigung gegen Nicolas Kröger oder die Marke Wagemut. Zwischen Nicolas Kröger und mir läuft ein fachlicher Austausch, die Probe für den Vergleich stammt von ihm selbst, und die Note bewertet allein den Rum in der Flasche.

Screenshots der Kommentare zu Abneigung und „Beef“, Namen unkenntlich

Der fünfte Einwand wirft meinen Kanälen falsche Fakten über Wagemut vor. Wer eine solche Stelle findet, schreibt sie bitte mit Zeitmarke unter das Video oder unter diesen Beitrag. Erweist sie sich als falsch, korrigiere ich sie an der Sache.

Screenshot des Kommentars zu „falschen Fakten“, Namen unkenntlich

Jeder darf einen Rum anders bewerten, und eine Note, die sich begründen lässt, braucht keine Mehrheit hinter sich.

Fazit

Wagemut The Origin ist ein unverfälschter, zehnjähriger Foursquare in Fassstärke, ungesüßt und ohne Finish, und die gekaufte Flasche entspricht dem Rohmaterial, das ich vorab als Probe bekam. Im Glas bleibt der Rum bei pfeffrigem Lakritz, Karamell und Vanille, ohne den Körper, den 64,1 Prozent erwarten lassen, und Wasser verflacht ihn weiter. Für 59,90 Euro bietet dieselbe Destille unter eigenen Marken mehr. Meine Note bleibt bei 4,0 von 10.

Welche Note gibst du ihm? Schreib sie in die Kommentare, gern mit dem Rum, den du danebengestellt hast.

Transparenz

Die Probe des Rohmaterials hat mir Nicolas Kröger kostenfrei und ohne Verpflichtung zur Verfügung gestellt. Die Flasche Wagemut The Origin habe ich selbst gekauft und mit Versand 64,90 Euro bezahlt.

Quellen

Kommentare

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