Deutsche Cocktailmeisterschaft 2013 in Stuttgart

Mit einer Woche Abstand und nach Gesprächen mit Ulf Neuhaus (aktueller Vorsitzender der Deutschen Barkeeper Union e.V.) und auch nach Rücksprache mit Stefan Stefanecesc möchte ich von der diesjährigen deutschen Cocktailmeisterschaft berichten. Allerdings aus einer ganz anderen Perspektive, denn Ulf hatte mit als Tastingjury eingeladen, dafür noch einmal danke.

Wie auch schon im letzten Jahr berichte ich darüber offen und ganz ohne Maulkorb, allerdings ohne Namen zu nennen, die beim Wettbewerb teilnahmen, mit zwei Ausnahmen, aber dazu später mehr.

Überrascht war ich schon, nachdem ich meine Kollegen der Jury kennenlernte:

  • Erich Wassicek, Betreiber der Halbestadt Bar in Wien und wohl eines der bekanntesten Gesichter der östereicher Barszene, ganz davon ab ein wahrer Whiskykenner.
  • Stefan Stevancsecz, Betreiber des Consultings BarBrain aus Linz, selber sehr erfahrener Bartender, hat an zahlreichen Meisterschaften teilgenommen, sowohl innerhalb Österreichs als auch international und war dort nachweislich sehr erfolgreich.
  • Kristina Wolf, geschätzte Kollegin in Berlin, ein Barfly, Barmaid und Fachfrau für Whisky und Spirituosen
  • Dino Zippe, Betreiber der O.T. Bar in Stuttgart, einer der beiden Lokalmatadoren in der Jury. Bartender und Bar-Manager und mit einer langen Vita in der Bar und Industrie
  • Jens Ölkrug, ebenfalls Lokalmatador, arbeitet als Bartender im BIX Jazzclub in Stuttgart und ist Whsky-Kenner
  • Volker Seibert, Betreiber der wohl in Deutschland innovativsten Bar, der Capri Lounge, Vorreiter in Bottle und Cask Aging von Drinks. Ein positiver Bar-Pedant ist er aus meiner Sicht, vielleicht nicht immer einfach, aber seine Kompetenz ist unumstritten
  • Bernd Schäfer, Nürnberger Bar-Koriphäe, bekennender Franke, Whisky-Kenner, freier Journalist

Damit war die Jury durch die Bank weg sehr gut besetzt und wir haben uns von Anfang an sehr gut verstanden.

Bei der Vorrunde wurde jeder Drink von 4 Juroren bewertet, die anderen vier hatten zwar Pause, aber probiert haben alle, wir wurden gebeten noch nicht zu diskutieren. Diese erste Bewertung fand im Stillen statt, jeder hat für sich bewertet. Nachdem die Runde bewertet war, diskutierten wir über die Drinks und waren über die Bewertung sehr einig.  Hier also im Nachgang zu behaupten, das die Drinks von zwei Jurorgruppen bewertet wurden ist schlichtweg Quatsch. Die Diskussionen um die Drinks waren alle sehr einstimmig. Was auch sehr fein war, dass die Kollegen, sobald sie einen der Drinks aus den Sektionsmeisterschaften bereits kannten, sich aus der Bewertung und sogar Diskussion zurückgenommen haben.

Was wir feststellten, war, das die Drink durch die Bank weg zu warm waren, selbst die Drinks mit Eis herrinnen. Dabei haben wir einhellig festgestellt, dass es bei weitem nicht allein an der Wegstrecke zur Jury liegen kann. Wir vermuteten, dass die Drinks schlichtweg unter dem Zeitdruck nicht ausreichend geschüttelt oder gerührt wurden.

Die Dekoeskapaden der vergangenen Jahre blieben, bis auf ein paar sehr krasse Ausnahmen, glücklicherweise aus.

Die Drinks waren alle nicht in der Balance. Die Digestiv-Drinks, meist deutlich auf der süßen Seite, wirkten durch die zu hohe Temperatur noch süßer, alle anderen Drinks waren deutlich in die Richtung süß verschoben. Auch hier diskutierten wir über das Warum. Unser Tenor hierzu war, das die Geschmackssensitivität der jungen Generation durch permanente Befeuerung durch Zugabe von Zucker in Speisen seitens der Speisenindustrie wohl gelitten hat, oder schlichtweg verschoben ist.

Es waren einige sehr innovative Ideen zu finden, doch herausragend waren nur sehr wenige, das Gros der Teilnehmer, so schien uns, litt unter schlichter Ideenlosigkeit. Wir mussten auch Drinks sehen, die eigentlich nach Berufsethos verboten gehören. Eine Kombination aus für sich drei dominanten Geschmäckern ist gewagt und führt selten zu Wohlbehagen (ich möchte bewusst mit als Waldmeister-Fan outen, aber nicht so wie in den gelieferten Drinks!).

Wir diskutierten schnell ob es vielleicht zukünftig möglich ist, jedem Teilnehmer direkt ein Feedback zu geben, der ein oder andere Ruf wurde in der Jury auch einmal laut, einen Pranger in der Raum zu stellen.

Nach der Vorrunde hatte jeder seine Favoriten, aber auch wieder einer Meinung waren wir, als jeder die Zahl nannte, die er maximal in der Endrunde sehen würde: zwischen 4 und 5 von 35 Teilnehmern.

Doch das Reglement verlangte, dass im Finale 12 Drinks präsentiert wurden, in Vierer-Gruppen, dazwischen zwei Cocktails der Teilnehmer für den Bereich Flair. Hier setzte sich die Jury nun durch und jeder Drink wurde von jedem Jurymitglied bewertet, vorgesehen war eigentlich, das hier sieben Wertungen abgegeben werden sollten.

Viele Drinks der Endrunde überraschten vor allem dadurch, dass sie vollkommen anders waren als noch in der Vorrunde, ja, einige Drinks waren auf einmal wirklich ganz anders. Leider allerdings nicht wirklich kälter. Da unser Beruf und erst recht der Deutsche Meister über Kontinuität in den eigenen Rezepturen verfügen sollte, war das ein Grund für uns, deutlich zu strafen.

Vollkommen aus allen Wolken sind wir dann gefallen, als ein Drink der Vorrunde, den wir einhellig als wohl einen der schlechtesten Drinks aller Teilnehmer deklariert hatten, plötzlich in der Endrunde wieder vor uns stand. Nachdem wir Ulf um Erklärung baten, wurde schnell klar gestellt, dass der Teilnehmer im Bereich Technik die maximale Punktzahl erhalten hatte und dies den Ausschlag gegeben hatte.

Der beste Drink des Abends mit pfiffiger Präsentation, schlicht, gut in der Kontinuität hat dann schließlich auch gewonnen. Herr Prescher, Sie sind ein würdiger deutscher Meister!

Besonders hervorheben möchte ich auch, dass ein Drink, nämlich der von Marian Krause, alle Jurymitglieder von den Socken gehauen hat, es wäre ein harter Kampf und eine knappe Entscheidung gegen den Drink von Herrn Prescher geworden! Er ist deshalb aus meiner Sicht besonders erwähnenswert, weil Marian nicht am Classic-Wettbewerb teilnahm, sondern im Bereich Flair. Dieser Bereich ist leider sehr verkannt, wird er doch von vielen Kollegen bewusst missachtet, weil „Flairen ja nix mit Drinks zu tun hat, sondern nur Flaschen schmeißen ist“. Mitnichten! Marian, das hast du deutlich gezeigt!

Im kommenden Jahr wird dieser Wettbewerb so in dieser Form nicht mehr existieren, der Umbruch innerhalb der DBU hat begonnen und auch wenn man aktuell als normales Mitglied kaum etwas erfährt, was ich sehr Schade finde, so weiß ich, das gerade viel passiert. Siehe www.dbu2014.de

Doch die Jury, wie sie sich hier gefunden hat, wäre froh, auch im kommenden Jahr wieder den deutschen Meister küren zu dürfen.

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